Testberichte zu Arcania: Gothic 4
Testberichtezusammenfassung zum Rollenspiel Arcania: Gothic 4 von Jowood
Testbericht des Internetportals 4players.de
Endnote: 40% (PC), 30% (Xbox360)
Fazit:
Das ist ein Schlag ins Gesicht für jeden, der leidenschaftlich gerne in Rollenspiele abtaucht! Ich habe selten so viel Langeweile, so viel grausame Dialoge und so viel Unglaubwürdigkeit ertragen müssen. Was soll das bitte sein, Spellbound? Ein Deutschland-sucht-den-dümmsten-Helden-Wettbewerb? Oder Wie-portiere-ich-richtig-schlecht-auf-360? Die grenzdebile Verbeugung vor dem anspruchslosen Mainstream, der sich in einer Taverne gerne mit Klon-Reisenden unterhält? Ich habe nicht erwartet, dass man mit einem neuen Team genau das markante Spielgefühl anbietet, dass Piranha Bytes mal ausgezeichnet hat. Ich habe allerdings erwartet, dass man mit “Gothic 4″ als Untertitel nicht nur Markenhengste anlocken, sondern eine ehemals faszinierende Spielwelt mit eigenen Ideen kreativ bereichern will. Das klappt nur an der Oberfläche der urigen Festungen und der idyllischen Landschaft. Aber darunter ist nichts als die Kastration auf primitivstes Rollenspielniveau ohne Entscheidungen, ohne Fraktionen, ohne Entwicklungen, ohne glaubwürdige Reaktionen. Spiele wie Dragon Age, Fable II, Oblivion oder The Witcher sind als voll entwickelte Planeten Lichtjahre entfernt von diesem Dramaturgieschrottkometen! Man muss sich mit einem Vollidioten von Schönling durch Dialoge quälen, die nicht mal Bastei-Lübbe für 50 Cent abdrucken würde. Es kann gerade aufgrund der turbulenten Geschichte dieser einst so großartigen Spielwelt keine Gnade für dieses dilettantische Abenteuer mit Einbahnstraßenquests und banalem Kampfsystem geben, das nicht mal an die Spannung eines World of WarCraft heran kommt. Es katapultiert ahnungslose Käufer vor hübscher Postkartenkulisse in die Steinzeit dieses an sich so faszinierenden Genres. Selbst Gothic 3 hat mir mit Bugs weitaus mehr Spaß gemacht als diese animierte Impotenz von Rollenspiel. Ach ja, noch eine Bitte an JoWooD: Könnt ihr die PS3-Version bitte zurückrufen oder ganz einstampfen? Und vielleicht nie mehr dieses Genre anfassen? Danke.
Pro:
- noch keine PS3-Version spielbar
- hübsche Landschaft
- ansehnliche Burgen und Dörfer
- stimmungsvolle Wetterwechsel
- Diego, Lester & Co
Kontra:
- unheimlich schwacher Einstieg
- infantiler Schönling als Held
- banales Kampfsystem
- langweilige Katakomben
- streng lineare Struktur
- Dramaturgie ohne Emotionen
- Diebstahl ohne Folgen
- NPCs reagieren wie sterile Bots
- unglaubwürdige Spielweltsituationen
- schrecklich banale Dialoge
- kaum ernst zu nehmende Feinde
- keine Entscheidungsfreiheiten
- hölzerne, fast alberne Gestik
- keine Fraktionen als konkurrierende Mächte
- Karriere ohne Spezialisierungen
- belanglose Hol- & Bring- Quests
- viel zu viele Figurenklone
- Pseudo- Rollenspielaktionen (Lesen, schleifen etc.)
- eintönige Hintergrundmusik
- Probleme mit der Kollisionsabfrage
- Flimmern, Ruckler, schwache Technik (360)
- Bildratenprobleme (PC)
Testbericht des Internetportals gamingxp.com
Endnote: 76% (PC)
Fazit:
An den Mega-Erfolg von „Gothic 3“ (nach seiner Patchreihe) wird der vierte Teil wohl nicht rankommen, dazu fehlt ein bisschen der Flair und der Feinschliff. Doch die neuesten Abenteuer des namenlosen Helden sind auch keineswegs schlecht, Ihnen präsentiert sich ein solides Werk mit Stärken und Schwächen, wobei Fans auf jeden Fall einen Blick riskieren werden. Abschließend sei gesagt, dass Sie eine gewisse Einarbeitungszeit benötigen werden (der Einstieg kostet Nerven), genauso wie zumindest einen Mittelklasse-Rechner. Das Rad wurde definitiv nicht neu erfunden, doch das Kompendium aus den einzelnen Komponenten gefällt. Verlassen Sie Ihre Schafe und begeben Sie sich auf eine Reise von gigantischen Ausmaßen, und zumindest für zwei Nächte haben Sie einen treuen Gefährten gewonnen: „ArcaniA: Gothic 4“.
Pro:
- Gut modellierte Charaktere
- Kampfsystem typisch „Gothic“
- Rollenspiel-Elemente gut eingebaut
- Beleuchtung stimmungsvoll
Kontra:
- Hardwarehungrig
- Spielgefühl kommt erst spät auf
- Grafikfehler kommen relativ oft vor
Testbericht des Internetportals und des Spielemagazins Gamestar.de
Endnote: 69% (PC)
Fazit der Redaktion
Wenn am Ende von Arcania die Credits zu schwerem Chorgesang über den Bildschirm ziehen, ähnelt das einem Trauermarsch. Wie passend. Denn nach dem Durchspielen war ich traurig, richtig traurig. Nicht, weil die Endsequenz so bedrückend gewesen wäre, im Gegenteil, ich habe den konfusen Renderfilm eher belächelt. Ich war traurig, weil man Arcania an allen Ecken und Enden anmerkt, dass es so viel größer und besser hätte werden können, mit mehr Quests und weniger Handlungslücken, mit mehr Rollenspiel und weniger stumpfer Schnetzelei. Doch dafür scheint Spellbound und Jowood das Geld ausgegangen zu sein, oder die Zeit, oder beides.
Dabei stört mich nicht, dass Arcania mit den Gothic-Tugenden bricht, ich mag auch lineare Abenteuer wie Divinity 2 oder The Witcher. Mich stört, dass sich Arcania so beliebig anfühlt: Was nutzen die schönsten Landschaften, wenn ich darin fast nichts Denkwürdiges erlebe? Ja, das Spiel sieht hübsch aus, es hat flotte Kämpfe und wenige Bugs, kurz: es funktioniert. Aber es vermag in keinem Augenblick, wirklich zu glänzen. Arcania hat keinen Charme. Deshalb kann ich es auch niemandem empfehlen.
Fazit von Christian Schmidt:
Wow, nur 69 Punkte für Arcania — ist das eine Strafwertung, soll hier ein Exempel statuiert werden? Fällt GameStar nach der ursprünglichen 85er-Wertung für Gothic 3 nun ins andere Extrem, hauen wir hier auf ein wehrloses Spiel ein? Nein. Arcania bekommt seine niedrige Wertung nicht deshalb, weil es die Gothic-Tradition links liegen lässt oder die hohen Erwartungen enttäuscht. Da ist kein Trotz, keine verschmähte Liebe. Da ist nur der nüchterne Vergleich mit den Standards des Rollenspiel-Genres.
Wir erwarten sinnvolle, vielfältige Quests mit starken Belohnungen. Die hat Arcania nicht. Wir erwarten eine sauber erzählte, motivierende Geschichte. Die hat Arcania nicht. Wir erwarten ein ausgefeiltes Charaktersystem mit vielfältigen Entscheidungen und klaren Auswirkungen. Das hat Arcania nicht. Wir erwarten eine lebendige, schlüssige, gut gefüllte und glaubwürdige Spielwelt. Die hat Arcania nicht. Einzig das gute Kampfsystem und die hübsche Grafik ragen aus dem Mittelmaß heraus.
Wie definiert GameStar seit 13 Jahren die 60er-Wertungsregion? »Noch okay für Fans des Genres.« Genau das trifft’s: Wer nicht wirklich jedes Rollenspiel mitnimmt, das gerade erscheint, der kann Arcania auslassen, ohne das Geringste zu verpassen. Was für ein trauriges Urteil.
Pro:
- detaillierte Figuren
- atmosphärische Lichteffekte
- schöne Landschaften
- scharfe Texturen
- dynamische, passende Musik
- ordentliche Surround-Kulisse
- größtenteils passende, professionelle Sprecher
- Held entwickelt sich spürbar weiter
- vier Schwierigkeitsgrade
- teils witzige Dialoge
- stimmungsvolle Spielwelt
- zuschaltbare Quest-Hilfen
- belegbare Schnelltasten
- gute Maussteuerung
- rund 20 Stunden lange Handlung
- große, abwechslungsreiche Spielwelt
- Sammelquests als Erkundungs-Anreiz
- Handlung anfangs solide
- alle Fähigkeiten nützlich
- ermöglicht Spezialisierung
- flotte, dynamische Nahkämpfe
- Gegner laden Spezialangriffe auf
- Blocken und Ausweichen
- massenhaft Beute
- viele herstellbare Gegenstände
Kontra:
- einige hakelige Animationen
- viele Klon-Charaktere
- teils fehlende Umgebungsgeräusche
- die sich aber erst im letzten Spieldrittel spürbar auswirken
- ödes Tutorial
- schwache Einhand-Waffen
- in der es wenig zu entdecken gibt
- künstlich begrenzte Gebiete
- im letzten Spieldrittel stumpfe Schnetzelei
- trotz der auf Gamepad-Bedienung ausgelegten Kämpfe
- Held hängt teils fest
- mit vielen leeren Gebieten
- vergleichsweise wenige Quests
- dann aber konfus
- ausschließlich Töte- und Bring-Aufträge
- langweilige Quest-Geschichten
- selten mehrere Lösungswege,die sich dann nicht einmal auswirken
- extrem simples Talentsystem
- wenige erlernbare Fertigkeiten
- kaum Experimente möglich
- wenige Spezialschläge
- nur drei Zauber
- KI-Aussetzer
- aber sehr simples Crafting-System
- wenig Ausrüstungs-Vielfalt
- viele nutzlose Gegenstände
Testbericht des Internetportals gamona.de
Endnote: 46%(PC)
Fazit
Ich bin geschockt. So mies hat mich seit Jahren kein Rollenspiel mehr unterhalten. Die blutleere Gothic-Welt, seit Götterdämmerung mit zwei gebrochenen Armen und Beinen auf einer Müllhalde liegend, ist nun um ein zertrümmertes Genick reicher. Erschreckend, wie kalt mich Diego, Lester, Gorn und Co. lassen, wenn Spellbounds Muse alle Viere von sich streckt. Wer hat diesen Böser-König-verfällt-dem-Wahnsinn-Schmarren abgenickt? Wer hat dieses furchtbare Dialogwerk zu verantworten, all die Nichtig- und Belanglosigkeiten?
Wer hat sich diesen schrecklichen, ziellos an mir vorbeiplätschernden Sammel- und Schnetzelmurks ausgedacht? Und wieso kann ich den Krieg, der ja an jeder Ecke toben sollte, nicht hören, sehen, fühlen? Wie ein Blödpaul schlappt der Held über tolle Wiesen und Felder mit wippendem Gras, klatscht Käfer und Goblins, plündert Truhen, aber es funkt einfach nicht. In diesem Arcania nervt nicht der hässliche Pixel hier, der Clipping-Fehler oder der grausige Effekt am Himmel. Für ein packendes Abenteuer, das Jowood so lange versprochen hat, müsste man das komplette Drehbuch umschreiben – und einen fähigen Autor engagieren.
Es geht nicht um strammstehende Bauchrednerpuppen in den Dialogen, nicht um geklonte Bewohner oder das zusammengestauchte Charaktersystem – das kann ich als Abenteurer alles verschmerzen, solange das Wichtigste stimmt: urige Charaktere, Geschichte, Atmosphäre. Doch spätestens, wenn ich in einer Stadt sämtliche Häuser ohne Reaktionen plündern kann, in gähnend leeren Tavernen stehe und zum zehnten Mal zum Pilzesammeln abkommandiert werde, vergeht mir die Lust aufs Abenteuer. Selbst das zusammengeflickte Gothic-3-Add-on Götterdämmerung ist in Sachen Figurenverhalten und Spielwelt stimmungsvoller als diese leichenblasse Totenstarre.
Was bringen mir kilometerweite Landschaften, wenn ich die Welt nicht erforschen kann, wenn keine knisternde Kerkerstimmung aufkommt und wenn mich das Abenteuer am ausgestreckten Arm verhungern lässt? Bitte, Jowood, lasst dieses einst so faszinierende Universum auf immer und ewig ruhen.
Pro:
- Ansehnliche Kulisse
- Übersichtliche Menüs
- Ordentlicher Soundtrack
- Nette Zaubersprucheffekte
- Teils gutes Monsterdesign
- Kurze Ladezeiten beim Quickload
- Viele alte Gothic-Sprecher dabei
Kontra:
- Einiges an Bugs
- Leere Spielwelt
- Leblose Wildnis
- Erzählerisch schwächlich
- Unterirdisches Dialogwerk
- Schwachbrüstiges Kampfsystem
- Kastrierte Charakterentwicklung
- Doofe Sammel- und Schnetzel-Quests
- Kaum Entscheidungsfreiheit
- Schwaches Stadtleben ohne Reaktionen
- Langweilige Dungeons ohne Fallen und Überraschungen
